Abergläubisches
Opfer, Orakel, Bräuche, Heilige , Zauber
Aufgrund des damals begrenzten Wissensstand veranlaßten unerklärbare Naturereignisse und Krankheiten die abergläubischen Einstellungen und Handlungen der Menschen.
Der Glauben an das Wirken übernatürlicher Kräfte und magische Vorstellungen beeinflußten in vergangenen Jahrhunderten wesentlich die menschlichen Verhaltensweisen, auch im Umgang mit Tieren und somit auch dem Schwein.
Vieles erscheint uns heute unerklärlich, oftmals stecken hinter abergläubischen Praktiken und Ansichten aber ganz reale Bezüge, häufig ökonomische Zwänge.
Kleine Abergläubeleien, auch zum punkto Schweineglück, haben sich bis in die Gegenwart gehalten. So heißt es etwa bis heute:
Wer auf dem Strohmarkt in Florenz das bronzene Wildschwein berührt, soll eine Glückssträhne bekommen.
Schweineopfer
Durch seine Bedeutung als Jagdobjekt und Fleischquelle in der Urgesellschaft sowie als gefahr für die Getreidefelder des gerade seßhaft gewordenen Menschen, zählt das Schwein zu den historisch ältesten Opfertieren.
Neben Ernte- und Menschenopfern gehöhrten Tieropfer bei zahlreichen Naturvölkern zu den religiös-kultischen Handlungen. Dadurch sollten die vermuteten überirdischen Kräfte (Götter usw.) günstig gestimmt werden. Schuld- und Dankgefühle waren dabei gleichermaßen beteiligt.. Von den Opfertieren wurden zumeist nur die unbrauchbaren Teile verbrannt oder anderweitig vernichtet, die genießbaren wurden gegessen. Vor allem das Blut als vermuteter Sitz der Seele ließ man auf den Altar fließen.
Schweineopfer sind bekannt von den alten Ägyptern, Babyloniern, Phönikern, bis zum 8. Jahrhundert v.u.Z. von den Juden, ferner von den Griechen und Römern der Antike sowie den Germanen. Auch aus dem alten China sind Schweineopfer belegt.
Ferkel dienten als Reinigungsopfer. Ihr Blut lief über die Hände von Mördern, die dann die Hände mit Wasser reinigten.
Die römischen Landwirte haben jeweils vor der Ernte ein Schwein geopfert.
Schweineopfer besiegelten früher nicht selten sogar Bündnisse und Verträge.
Schweineorakel
Das Opfern der Schweine war häufig mit einer Eingeweidenschau zu Orakelzwecken verbunden. Die Wahrsager „weissagten“ hauptsächlich aus der Leber der Opfertiere.
Im „Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens“ gibt es eine Fülle von Mitteilungen zum „Orakeltier“ Schwein. Hier kann nur eine Auswahl gebracht werden.
Im sogenannten Angangglauben galt das Schwein als ungünstiges Vorzeichen: Begegnete man bei Antritt einer Reise oder auf dem Wege Schweinen, so sollte dies Unglück bringen. Manchmal galt es auch nur als unheilverkündend , z.B. wenn Schweine von rechts kamen oder rechtsseitig gesehen wurden („Schweine rechts, bedeutet Schlecht´s).
Andernorts sah man den Angang eines Schweines jedoch günstig, ebenso das Träumen von Schweinen („ein Sauglück haben“).
Im mitteleuropäischen Raum sind durch enge Beziehungen zwischen Schwein (zunächst Wildschwein) und Ackerbau einzelne abergläubische Erntebräuche entstanden. In einigen Gegenden waren die Eber die "Vegetationsgeister" des Getreides. Wenn das wachsende Getreide wogte, "laufen die Schweine durchs Korn" war eine Redensart. Man glaubte, das sich dieser Geist beim Ernten auf den letzten Mäher bzw. die letzte Person beim Dreschen überging. Die letzte Garbe und diese letzten Personen bekamen Namen wie Sau, Kornsau, Eber, Ber u.ä. War die letzte Person eine Frau, band man ihr eine schweineähnliche Strohfigur um, die sie dann zu einem noch dreschenden Nachbarn bringen mußte. Damit wurden die Garben und Arbeitskräfte bei der Ernte als Träger des Vegetations- und Fruchtbarkeitsgeistes auch zum Glückssymbol.
Zauberglauben
Vielerlei Zauberkräfte wurden dem Schwein zugeschrieben. Am Neujahrstag
Schweinefleisch essen, würde z.B. Glück und Geld im neuen Jahr bringen.
In Dänemark galt ein gutes Schweinefleischessen am Jahreswechsel als
Versicherung für eine gute Ernte im kommenden
Jahr.
Überbleibsel solchen Zauberglaubens und Opferbrauchs stellen die sogenannten
Gebildebrote in der Lausitz dar. Zu Weihnachten buk man aus einfachem Teig
oder Pfefferkuchenmasse Figuren, brachte sie auf den Gabentisch und dann in
den Trog des Viehs. Später wurden die Gebildebrote erst zum Neujahrstag
hergestellt und nannte sie "Neujährchen".
Als glückbringende Zaubermittel verwendetet man auch den Schwanz oder
Knöchelchen des Schweins.
Quellenangabe: H.-D. Dannenberg: "Schwein haben - Historisches und Histörchen vom Schwein" G. Fischer Verlag Jena 1990.