Nutzen / Nutzung der Schweine

 

Mit dem Seßhaftwerden der Menschen wurde das Schwein vielerorts zu einem gehaltenen Nutztier. Gegenüber den landwirtschaftliche Kulturen schädigende und schwer zu erlegende Wildschwein bildeten Hausschweine eine sichere Nahrungsquelle. Es ließ sich leichter vermehren und aufziehen, wobei unterschiedliche Futtermittel einschließlich Abfälle verwertet wurden. Bis ins 18. Jahrhundert stand dabei die Waldweide im Vordergrund. Durch die Industriealisierung und Befölkerungszunahme stieg der Bedarf an tierischem Eiweiß und Fett, wobei der Feldwirtschaftliche und tierzüchterische Fortschritt seit dem 19. Jahrhundert zur sprunghaften Vergrößerung der Schweinebestände und Verkürzung der Aufzucht- und Mastdauer führte.

 Im Jahre 1950 umfaßten die Hausschweinbestände der gesamten Erde etwa 300 Millionen Tiere. Mitte der 80er Jahre waren es bereits annähernd 800 Millionen Tiere, die für eine erzeugte Fleischmenge von 58 Millionen Tonnen dienten.

Die Zahl der gehaltenen Schweine schwankt zwischen Staaten und Regionen in starkem Maße, jeweils abhängig von Verzehrgewohnheiten, der Futtergrundlage und ökonomischen Faktoren. In manchen Regionen werden durch religiöse Tabus keine Schweine gehalten (Mohammedaner, Juden), andere Länder sind traditionell Exportländer (Dänemark, Niederlande).

In erster Linie dient das Schwein bis heute der Versorgung des Menschen mit Fleisch und Fleischerzeugnissen. Der Gehalt an essentiellen Aminosäuren, Mineralstoffen und bestimmten Vitaminen wird ernährungsphysiologisch geschätzt. Speck und Schmalz hatten nur bis Mitte des 20. Jahrhunderts eine große Bedeutung für die Ernährung.

In Deutschland stammen annähernd 60% des verzehrten Fleisches einschließlich der Wurstwaren vom Schwein, wobei der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von 100kg aus gesundheitlichen Gründen schon bedenklich ist.

Hierzulande gehöhrt ein hoher Wurstverbrauch aus über 100 standardisierten  Fleisch- und Wurstwaren sowie zahlreichen Sonderezepturen zur Verzehrgewohnheit.

 

Außer dem Fleisch werden vom Schwein alle sonst anfallenden Teile und Abfälle verwertet.

Blut und Schlachtabfälle werden zu Futtermittel, Haut für Lederwaren, die Borsten für Pinsel und Bürsten, Fette für Kosmetika, Exkremente als Dünger, Hormondrüsen in der pharmazeutischen Industrie und Galle als emulgierenden Zusatz für Textilfärbungen verwendet. Klauen und Knochen dienen zur Herstellung von Leim, Gelatine und Gartendünger; durch die anatomisch- und physiologische Ähnlichkeit zum Menschen dient das Schwein zunehmend human- und veterinärmedizinischen Zwecken.

 

In früheren Epochen wurde Schweine auch zu magisch-kultischen Zwecken, meist als Opfertiere benutzt. Desweiteren dienten Schweine beim Eintreten der Getreidesaat, zur Abwehr von Kriegselefanten, als Köder bei der Haifischjagt, als Nebelhorn auf Segelschiffen und als Jagdtgehilfen an Stelle von Hunden. Bis in unsere Zeit werden Schweine dank ihres hervorragenden Geruchssinns zur Trüffelsuche und zum Auffinden von Drogen benutzt. Aufgrund seiner guten Lernfähigkeit hielt das Schwein auch in Zirkus- und Variete-Vorstellungen Einzug.

Bis in die jüngste Zeit wurde auf Volksfesten bei Schweinerennen gewettet oder zur Belustigung das „Ferkelgreifen“  durchgeführt.

Von altersher wurden die Eberzähne (Hauer) als Messerklingen, Schmuck ,zur Panzerung oder Zahlungsmittel genutzt.

 

Das angedeutete große Spektrum der Verwendungszwecke zeigt die hohe materielle Wertschätzung dieses Nutztieres, zu welchem der sonstige diskriminierende Ruf des Schweines merkwürdig kontrastiert.

Quellenangabe: H.-D. Dannenberg: "Schwein haben - Historisches und Histörchen vom Schwein" G. Fischer Verlag Jena 1990.

 

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