Historisches
In Mitteleuropa sind Hausschweine seit dem 5. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung bekannt.
Die jungsteinzeitlichen Bauer besaßen bereits Schweine als Haus- und Nutztiere. Funde von frühgeschichtlichen Schweinen (früher als Torfschweine bezeichnet), belegen eine durch Domestikation verursachte deutlich geringere Körpergröße bei den frühen Hausschweinen.
Hatten Wildschweine im Neolitikum eine Widerristhöhe von durchschnittlich 97 cm, betrug sie bei den jungsteinzeitlichen Hausschweinen nur 75 cm. Auch im Mittelalter waren es, bedingt durch Einschränkung des Lebensraumes, der Ernährung, Zuchtauslese und Inzucht nur 74 cm.
Kelten und Germanen
Bei den Kelten und Germanen genoß das Schwein große Wertschätzung sowohl als Haustier und Nahrungsquelle, als auch in Mythos und Glauben. Hausschweine waren mit etwa 30% an zweiter Stelle der Haustiere. Es gab sogar einen Schweinegott namens Moccus unter den fast 400 Göttern der Kelten.
Die Germanen trugen oft Fibeln mit Schweinedarstellungen und Krieger einen sogenannten Eberhelm. Schweine galten als Symbol für Ernte- und Kindersegen. Dem germanischen Gott der Fruchtbarkeit Freyr war der Eber Gullinbursti (der mit den goldenen Borsten), auf dem er durch den Himmel ritt, heilig. Seiner Frau und Schwester Freya galt die Syr ( Sau) als heilig. Der Sage nach besaßen die nordischen Götter (Asen) in Walhalla einen Borg (Eber) namens Särimni (oder Sachrimmer).
Hauptsächliche Haltungsweise war das herdenweise Weiden in den umfangreichen Wäldern, wobei sicherlich Rückkreuzungen mit Wildschweinen vorgekommen sind, denn Stallungen gab es wohl nicht. Im germanischen Binnenland hatte das Schwein einen Anteil von 35% unter den Haustieren, in Küstengebieten überwog das Rind.
Bei den Germanen des 1. und 2. Jahrhunderts unserer Zeit hatte das Schwein bei 4 bis 50 Tieren pro Familie nach 2 Lebensjahren eine Körpermasse von 40 bis 60kg, was einer Schlachtausbeute von 28 bis 48kg entsprach. Da Futterversorgung und Unterbringung im Winter problematisch waren, wurde im Herbst und Frühwinter geschlachtet, wobei sich das Fleisch auch länger aufbewahren ließ.
Mittelalter
Die Bedeutung der Schweine im Mittelalter war unvermindert. Man bewertete einen Wald oft weniger nach Eignung und Wert zur Holzgewinnung, sonder wieviele Schweine darin Futter (hauptsächlich Eicheln) finden konnten. Der Normannenherzog Wilhelm der Eroberer teilte die Länder für seine Vasallen danach ein, wieviele Schweine sich dort weiden ließen. In der damaligen Zeit hat man den Leitschweinen Schellen (Glöckchen) umgebunden, damit die Herde beisammen gehalten und leichter wiedergefunden werden konnte. Das hervorragende akustische Reaktions- und Lernvermögen der Schweine wurde genutzt, indem der Hirte auf einem Horn Signale gab. In der Lex Salica (Gesetzestext) wurden allein 9 Punkte mit finanziellen Strafen beim Diebstahl von Schweinen festgelegt. Die Eichel- und Buchenmast war ein oft urkundlich gennantes Recht und die Klößter und Abteien namen Abgaben in Form von Schweinen (Schweinezins).
Im Hochmittelalter hielten die Bürger in vielen Städten ebenfalls Schweine und nutzten dabei Abfälle und die reichlich vorhandene Laubwälder. Zwecks Verbesserung der Hygiene und zur
Seuchenprophylaxe verboten immer mehr große Städte das Halten von Schweinen.
Im norddeutschen Raum wurde bis zum 19. Jahrhundert ein größerer, groß- und schlappohriger Schweinetyp (Marschschwein) gehalten, der auch als Grundlage für die späteren Landschweinerassen diente. Im mittleren bis südlichen Teilen Deutschlands hat dagegen ein kleinerer, klein- und stehohriger Typ im Vordergrund gestanden. All diese Hausschweinetypen waren Weidetiere (Waldweide) und konnten 30 km pro Tag laufen.
Neuzeit
Das 16. und 17. Jahrhundert brachte keine wesentliche Neuerung in der Schweinehaltung.
Im 18. Jahrhundert wurden der Schweinehaltung immer mehr Einschränkungen gemacht. So durften die Eicheln nicht mehr von den Bäumen geschlagen werden (Eichelklopfen) und Weidezeiten wurden beschränkt, um austreibende Bäume und Kleintiere in der Paarungszeit zu schützen. Um ein starkes Zerwühlen der Felder zu verhindern, mußten Schweine einen Eisendraht durch die Rüsselscheibe oder ein jochähnlichen Holzrahmen tragen. Früher wurden den Schweinen die Zähne (vor allem die Hauer) ausgebrochen.
Das 17. und 18. Jahrhundert führten durch Seuchen, den 30 Jährigen Krieg und der Verringerung von Waldweideflächen zur Abnahme von Fleischverbrauch und Schweinebestand. Vor dem 16. Jahrhundert lag der pro Kopf Jahresverbrauch an Schweinefleisch noch bei 100-125 kg, Ende des 18. Jahrhundert waren es nur noch 6 kg.
Zum Beginn des 19. Jahrhunderts wurde von Landesherren die Viehhaltung weiter begrenzt und besteuert.
Mitte des Jahrhunderts begann dann eine grundlegende Veränderung von Züchtung, Ernährung und Haltung von Schweinen. Über neue Rassen aus England (wo seit dem 18 Jahrhundert asiatische und südeuropäische Rassen eingeführt wurden), begann die Zucht von frühreifen, frohwüchsigen und fruchtbarer Hausschweinrassen. Es kamen letztendlich die veredelten Rassen zustande, vor allem das Veredelte Landschwein und das Deutsche Edelschwein. Durch intensive Fütterung und schnellere Mästung stieg der Schweinebestand wieder an und immer mehr Tiere wurden ganzjährig in Ställen gehalten. Fehler bei Haltung und Fütterung brachten neue Krankheiten und Seuchen, u.a. die aus den USA importierte Schweinepest.
Als Folgen der Weltkriege kam es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer erheblichen Verringerung des Schweinebestandes. Das Herauszüchten eines modernen Fleischschweintyps wurde zum Beginn der zweiten Hälfte des 20 Jahrhunderts mitels spezieller Hybridzuchtprogramme, der künstlichen Besamung und hormonal-biotechnischer Methoden vorangetrieben. Technisierte Haltungsverfahren und standardisierte Futtermittel führten zu einem schnellen Anstieg des Tierbestandes.Durch die Biotechnologie wird sich die Schweinehaltung im 21. Jahrhundert weiter stark verändern.
Quellenangabe: H.-D. Dannenberg: "Schwein haben - Historisches
und Histörchen vom Schwein" G. Fischer Verlag Jena 1990.