Redensarten, Fluch- und Schimpfvokabular
Bekanntlich reflecktieren Sprichwörter und Redensarten, die meist dem
Volksmund früherer Jahrhunderte entstammen, Erfahrungen, Verhaltensregeln
und Denkweisen bis hin zu Sitten und Gebräuchen.
Leider beziehen sich die den Begriffen Schwein und Sau zuzuordnenden Redensarten
hauptsächlich auf vorgeblich negative Schweineeigenschaften.
Nachstehend eine Auswahl von Sprüchen und Sprichwörtern, wobei jeder
über den Wert selber urteilen mag:
Bereits die Sumer (um 2000 vor unserer Zeitrechnung) schrieben Sprüche auf Tontafeln:
Fleisch mit Fett ist zu gut, Fleisch mit Talg ist zu gut. Was sollen wir dem Sklavenmädchen geben? Laß sie den Schinken vom Schwein essen!
Ein Wasserfaß => ist einer, der viel Schweinefleisch ißt
Aus dem buddhistischen Kulturkreis stammt das Wort:
Nicht begehe mit dem Mund Böses, damit du kein Schweinsmaul wirst.
Überlieferungen aus der griechisch-römischen Antike:
Das Schwein hat mit der Athene Streit angefangen, das Schwein will die Athene belehren.(=Anmaßung eines Dummkopfes)
Porti cocti ambulant
(Die Schweine wandeln gebraten umher = die gebratenen Tauben fliegen in den
Mund)
Uno in saltu capere duos apros
(Mit einem Sprung zwei Eber fangen = zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen)
A cane non magno saepe tenetur aper
(ein Kleiner Hund stellt oft einen starken Eber = ein Kleiner wird oft eines
Größeren Herr)
Im "Narrenschiff" von Brant (1458-1521), welches auf den Sprichwortschatz des Volkes zurückgreift, wurden folgende Mottoverse festgehalten:
Von guten Räten
Wer sich auf Macht im Rat verläßt und hängt sich, wo der Wind
hinbläst derselb die Sau in´Kessel stößt.
(Zwei Narren, die sich bemühen, ein Schwein in einen Kessel zu befördern,
gleichen denjenigen, die Rat ohne ausreichende Rechtskenntnisse urteilen und
dadurch dazu beitragen, dem Schwein (also dem zu Unrecht Beurteilten) den
Garaus zu machen.)
Von falschen Vorstellungen über Gott
Wer spricht, daß Gott barmherzig sei, allein gerecht dabei, der Vernunft
wie Gäns´und Säu.
(den Verstand dieser Tiere habe derjenige, der sich auf Gottes Barmherzigkeit
verläßt)
Von groben Narren
Wüste Schimpfworte Ärgernisse geben und gar oft die guten Sitten
stören, wenn man zu stark die Sauglocke läutet.
(Wer derbe und unflätige Redensarten führt, ist ein Narr.)
Eine Redewendung aus Luthers Tischreden: einem eine Sau geben = jemand derb beschimpfen
Allerlei gesammeltes und unsortiert gelistet:
Dans le cochon tout est bon (französisch = vom Schwein ist alles gut)
Swine women and bees cannot be turned (englisch = Schweine, Bienen und Weiber
machen viel Not dem Treiber)
Eure Perlen werft nicht vor die Säue (=Edle Dinge nicht an unwürdige verschwenden)
Das Schwein wälzt sich nach der Schwemme wieder im Kot (= Nach Besserung wieder in schlechte Angewohnheiten zurückfallen)
Ein feist Schwein entlauft dem Metzger nicht (= der Übeltäter entgeht der Strafe nicht)
Schweine und Geizhälse nützen erst nach ihrem Tode
Stille Schweine wühlen die größten Wurzeln aus
Wer dem Schwein gibt, wenn´s grunzt, und dem Kinde wenn´s schreit, bekommt ein fettes Schwein und ein verzogenes Kind
Man kann nicht Speck haben und das Schwein behalten
Viel Schwein, viel Speck , viel Tauben viel Dreck
Wenn du haderst um ein Schwein, nimm eine Wurst und laß es sein (= Rat zum gütlichen Vergleich, oder = die Vorteile sehen)
Geträumter Speck ist mager
Schweinefleisch und guter Wein müssen stehts beisammen sein
Wenn die Säue fliegen könnten, so wären sie das allerbeste Feldwildbret (Bauernsprichwort aus dem 16 Jahrhundert)
Wer mir ein Schwein schenkt, dem geb ich gerne Wurst
Aus einem Ferkel wird eine Sau, aus einer kleinen Sau wird bald eine große (= Kindern darf man nicht alles nachsehen)
Eine Sau riecht den Dreck über neun Zäune
Man achtet nicht, was die Sau auch schreit
Jede Sau nennt ihre Ferkel schön
Von der Sau lernen die Ferkel grunzen
Sogar eine Sau grunzt, wenn sie vorbeigeht (= wenn jemand nicht grüßt)
Wie die Sau, so der Stall
Man verklagt keine Sau, die einen besudelt (=um üble Nachrede soll man sich nicht kümmern)
Ruh und Rast ist die halbe Mast
Eine fette Sau ist besser als ein fettes Pferd
Wer nichts gelernt hat, muß die Schweine hüten
Viel Schweine machen den Trank dünn (=je mehr Teile/Erben, je kleiner der Anteil)
Wer sich unter die Kleie mengt, den fressen die Säue
Ich hüte keine Schweine umsonst (Erwartung, angemessene Entlohnung)
Die Schweine wechseln, die Tröge bleiben die gleichen
Es scheint, wir haben die Schweine gehütet (= unerwünschte Vertaulichkeit)
Das letzte Schwein kriegt den dicksten Trank (= wenn einer von seiner Bequemlichkeit noch einen Vorteil hat)
Schweine die zusammen liegen, trennen sich nicht gern
Was ich am Korn verliere, gewinn´ich an Speck (sagte der Bauer als seine Schweine ins Getreide gingen)
Das Schwein läuft vor dem Geruch des Majorans weg
Schweine kümmern sich nicht um köstliche Salben
Die Sau grunzt anders, wenn der Metzger kommt
Für ein faules Schwein ist der Erdboden immer gefroren (Dänisches Sprichwort)
Schläft das Schwein, wächst das Fleisch, schläft der Mensch, wachsen seine Schulden (chinesisches Sprichwort)
Durch die Kunst des Metzgers allein darf das Schwein in bester Geselschaft sein
Quellenangabe: H.-D. Dannenberg: "Schwein haben - Historisches und Histörchen vom Schwein" G. Fischer Verlag Jena 1990.
Es regnete so stark, daß alle Schweine rein und alle Menschen dreckig wurden (Georg Christoph Lichtenberg 1742-1799)
Uns ist gar kannibalisch wohl, als wie fünfhundert Säuen (Göthe: Faust, I Teil, Auerbachs Keller)
Komm, Komm! Mit Güte lockt fast überall die Frau ihr Schweinchen in den Stall (Wilhelm Busch 1832-1908)
Schweine bei Kälte und Männer beim Wein können nicht leise sein. Puercos con frío, y hombres con vino, hacen gran ruido.
Schweine und Bauern haben immer etwas zu grunzen.
Schweinebraten und Schwiegereltern genießt man am liebsten kalt.
Schweinefleischer und Hundeschlächter erwartet kein gutes Ende. (Weil
sie entgegen dem buddhisteischen Verbot ständig Leben
töten, glaubt man, dass sie als Schwein oder Hund wiedergeboren werden)
Das Schwein frisst des Montags Arbeit auf.
Das Schwein fühlt sich im Dreck am wohlsten.
Das Schwein ist dem Aussehen nach wohl dumm, aber sein Fleisch ist doch süß.
Das Schwein ist kein Säufer, aber der Säufer ist ein Schwein.
Das Schwein ist wie der Herr. (Am Abend lange auf, am Morgen schläft es lange)
Das Schwein kriecht so lange durch den Zaun, bis es im Zaun steckenbleibt.
Das Schwein liebt Kot, der Säufer liebt Schnaps.
Das Schwein setzt Speck für andere an.
Das Schwein träumt von Eicheln.
Das Schwein wächst am Messer, das Mädchen am Jungen.
Das Schwein wird dann sterben, wenn es am fettesten ist.
Das Schwein wird hinten rot, wenn es zu suchen beginnt; die Frau wird vorne rot.
Die Sau hat zehn Junge, aus allen werden Schweine - der Gutsvogt hat eins, sogar aus dem wird kein Gutsvogt.
Die Sau ist ein kunstreich Tier: sie frißt alten Dreck und macht frischen daraus
Die Sau lässt das Wühlen nicht.
Die Sau weiß nicht, wovon sie fett wird.
Die Sau wird dem Eber schon die Kraft nehmen.
Die Sau geht dem Gestank nach.
Die Sau muss Haare lassen.
Die Sau singt nicht wie ein Zeislein.
Die Sau soll gesagt haben: Wenn ein Flecken Land, so breit wie meine Hand, schon kahl ist, dann ernähre ich mich und meine Ferkel selbst.
Die Sau sticht den König.
Die Sau versteht ihr Leben, der Borg sein Treiben.
Die Schweine von heute sind die Koteletts von morgen.
Säu sind Säu und bleiben Säu.
Sau und Dreck kenna anand von kloan auf.
saukerl => schwaben
schwuineigel => westfahlen
sauglatt => winetrlicher strassenzustand (schwabe=witzig,drollig)
fickel = westfälisches platt =>fickelbar gaststätte in der viehhändler
verkehren
Drecksau, sauigel, sauwetter, charakterschwein, saubär, schweinehund, Schweinerei
säuisch, Schweinigel, Ferkelei, Saufraß, Sauwirtschaft, saudumm
das frißt kein Schwein
das ist unter aller Sau
das versteht kein Schwein
das kostet ein Schweinegeld
negativ:
judenschwein -drittes reich
judensau mittelalter/christliche bauwerke
asylantenschwein