Haustier-Schutzpark
Warder
Wie kommt man nach Warder ?
Warder liegt im Herzen von Schleswig Holstein. Die einfachste Anfahrt ist mit dem Auto (oder Motorrad) über die A7 Hannover - Hamburg - Flensburg . Der Ort liegt ca. 20 km nördlich von Neumünster und hat eine eigene Autobahnabfahrt. Von da ab ist der Weg zum Park ausgeschildert
Die Ziele des Haustier - Schutzparkes
Der Tierpark Warder ist kein Zoo im üblichen Sinne. Seit über zehn
Jahren wird der Park von Dr. Jürgen Güntherschulze mit dem Ziel
geführt, vor dem Aussterben bedrohte Haustierrassen erfolgreich zu schützen
und zu erhalten. Tiger, Löwen oder Elefanten sucht man hier vergebens.
Die Stars im Park sind selten gewordene Schweinerassen, Ziegen, Schafe und
Rinder mit besonderen Merkmalen, sowie "Nutzgeflügel" wie Gänse
oder Hühner.
Für manche mag es absurd klingen, aber die hier vorgestellten Tiere dienten
in verschiedener Hinsicht ausschließlich dazu, den Menschen in seinem
Dasein zu unterstützen. Damit ist nicht nur das so viel diskutierte Schnitzel
oder Kotelett gemeint. Nein, Nutztiere können auch jene Tiere sein, die
den Menschen in früheren Jahren bei der Arbeit unterstützt haben,
wie z.B. das Schleswiger Kaltblutpferd als Waldarbeiter oder als Pflugzieher.
Die alten Schweinerassen waren ursprünglich als Fleischlieferant gezüchtet
worden. Nur als Beispiel soll hier das Bunte Bentheimer Schwein genannt werden.
Diese Rasse war wegen seiner Speckschicht in der Kriegs - und Nachkriegszeit
sehr beliebt. Später waren solche Rassen dann nicht mehr so gefragt,
so daß der Bestand drastisch zurückging. Es gab Rassen, die waren
eigentlich in keinem Zuchtbuch mehr vertreten, und galten als nahezu ausgestorben.
Nur durch Privathaltung einiger Liebhaber konnten einige Bestände wieder
belebt werden. Die Rassen unterscheiden sich je nach Herkunft stark durch
ihre Zuchtfähigkeit, Streßanfälligkeit, Robustheit und eben
auch durch den Fleischanteil. Darum wurden immer, je nach Bedarf, die entsprechenden
"Alten Rassen" bei Neuzüchtungen mit eingekreuzt. Aus diesem
Grunde ist die Erhaltung der genetischen Reserve der alten Rassen so überaus
wertvoll. Mittlerweile gibt es in sieben Bundesländern 34 Satellitenstationen
, bzw. sogenannte "Arche Höfe", die dazu geschaffen wurden,
bestehende Bestände so zu verteilen, daß das Inzucht- und Seuchenproblem
weitestgehends ausgeschlossen wird.
Der Park
Der Park ist abgelegen, fernab von irgendwelchen Ballungsgebieten. Schon
im Eingangsbereich kann man die erste Schweinegruppe bestaunen. Es gibt hier
auch einen kleinen Hofladen, bei dem man allerdings Glück haben muß
mit den Öffnungszeiten. Der Park hat ganzjährig geöffnet. Der
Eintrittspreis liegt zur Zeit bei 7,50 DM pro Person. Hunde sind an der Leine
erlaubt!
Zunächst kommt man am sogenannten "Streichelhof" vorbei. Ein
abgeschlossenes kleines Gehege mit Zwergziegen, Göttinger Minischweinen
und Hängebauchschweinen. Aber der Tierbestand wechselt hier ständig.
Wir haben auch schon mal kleine Esel hier angetroffen. Dieser Platz ist auch
gleichzeitig der Freilauf vom Aufzuchthaus. Im Aufzuchthaus ist immer was
los. In den Boxen kann man die Nachkommen von verschiedenen Schweinerassen
bestaunen. Hier ist auch der einzige Bereich im gesamten Park, wo man mit
dem Füttern etwas zurückhaltend sein muß. Ansonsten ist das
Füttern und Anfassen der Tiere , soweit möglich, ausdrücklich
erwünscht.
Der Spielplatz für die Kinder neben dem Aufzuchthaus ist immer gut besucht.
Von hier aus kann man sich einen Rundgang aussuchen, aber welchen Gang man
auch wählt, man braucht ein wenig Kondition, denn das Gebiet ist über
40ha groß! Unterwegs bei den Weiden und Koppeln gibt es zwar immer ein
paar Ruheplätze, aber für die leibliche Verpflegung sollte man schon
selbst etwas sorgen. Imbiss - Buden sucht man hier vergebens.
Ein Cafe / Restaurant befindet sich im Eingangsbereich beim Kinderspielplatz.
Alle Tiere vorzustellen, würde diesen kleinen Bericht sprengen. So sind
im Folgenden nur ein paar Tiere erwähnt, um ein kleinen Eindruck der
großen Bandbreite der dort lebenden Tiere zu vermitteln. Es sind nicht
die exotischen Wildtiere, die diesen Besuch in Warder so lohnenswert machen,
sondern das Verständnis für die Schweine, Rinder und Ziegen, wobei
es aber auch hier ein paar Attraktionen zu bestaunen gibt:
Wenn man den Rundgang "im Uhrzeigersinn" wählt, kommt man bald
am großen Haus der Tierparkschule vorbei, wo ganzjährig Seminare
und Schulungen abgehalten werden. Dem gegenüber liegt praktisch in der
Mitte des Geländes die große Weide des Wappentieres des Parkes
: das Schottische Hochlandrind. Es ist immer wieder ein lustiges Erlebnis,
wenn die jungen Teddys über den Platz toben. Später, im weiteren
Verlauf kommt man an den Poitou Eseln vorbei. Es sind die französischen
Riesen - Esel , die in ihrem Bestand als stark gefährdet galten, sich
aber durch intensive Zuchtpflege zumindestens nicht weiter vermindert haben.
Diese Eselrasse ist die Größte der Welt, und auch zugleich die
Kuscheligste; denn Poitou haben ein sehr langes Haarkleid. Die Eselfohlen
sehen besonders putzig aus, mit ihren Riesenohren und den großen Augen.
Ganz links, am äußeren Parkgelände, noch hinter den Exmoor
- Ponies, findet man die unverwüstlichen Schwalbenbauch - Mangalitzas;
eine Wollschweingattung. Diese Rotte läßt wirklich keinen Stein
auf dem anderen. Das Gehege gleicht einer Mondlandschaft : überall Löcher
und keinerlei Vegetation. Im weiteren Verlauf, wenn man dem äußeren
Ring folgt, kommt man an einer Gruppe Grauesel vorbei, die manchmal mit einer
kleinen Gruppe Skudden die Umzäunung teilen. Bergziegen und englische
Parkrinder sowie ein Auerochse bewohnen die Weide, die sich zur Parkmitte
hin erstreckt. Wenn man dem Weg außen weiter folgt, gelangt man zu den
verschiedenen Schweinerassen. Wenn man Glück hat, dann zeigt sich auf
der Außenweide ein wunderschöner Schleswiger Hengst. Ein bemerkenswerter
Kaltblut - Vertreter!
In der Schweinegasse kommt man zunächst an den sehr selten gewordenen
Turopolje - Schweinen vorbei. Eine sehr sehr robuste und ruhige Rasse aus
dem ehemaligen Yugoslawien. Die Nachbarn sind Chinesen. Genauer gesagt : chinesische
Maskenschweine oder auch Meishans. Die Meishan - Schweine wirken schon sehr
fremdländig, durch den hohen, schlanken Körperbau, den Falten im
Gesicht und den riesiegen Schlappohren Die nächsten Nachbarn wiederum
sind weniger ruhig. Hier beginnt die etwas größere Rotte der Bunten
Bentheimer Schweine. Wenn hier Nachwuchs ansteht, dann ist hier "Achterbahn",
und bei Bentheimers ist öfters Nachwuchs. Je nach Jahreszeit oder Nachwuchstätigkeit
teilen sich Angler Sattelschweine oder Rotbunte Husumer Schweine die nächste
Koppel. Diese Rassen sind eher bei den Großrassen einzustufen, was die
Körpergröße anbelangt, aber die Ferkel sind allesamt zum knuddeln!
Wenn man die Weide der Hochlandrinder auf dieser Seite des Parkes einmal umrundet
hat, kann man im weiteren Verlauf zu den ungarischen Steppenrindern gelangen,
die ein wahrhaft majestätisches Horn tragen. Hat man es dann irgendwann
einmal geschafft, zum Ausgangspunkt, dem Kinderspielplatz, zu gelangen, sollte
man sich unbedingt noch den Geflügel - Lehrpfad anschauen. Hier wird
dem Besucher, besonders den Kindern , erklärt, wie man das sogenannte
"Nutzgeflügel" anhand von bestimmten Kriterien erkennen und
bestimmen kann. Am Ende des kleinen Weges ist ein kleiner Naturteich angelegt
worden. Wenn man den kleinen Teich umgangen hat, kann man sich noch die Gehege
der Kleinnager anschauen.
Zu jedem Tier im Park gibt es nähere Informationen. Entweder an den üblichen
Gehegebeschreibungen oder an der Eingangskasse. Wer genaueres zu einem bestimmten
Tier wissen möchte, kann sich jederzeit an das Pflegepersonal wenden,
man bekommt eigentlich immer Auskunft.
Der Haustier - Schutzpark Warder mag manchem Besucher vielleicht etwas einfach
gestrickt vorkommen, wenn man die Zoologischen Gärten von Hamburg, Hannover
oder von allen anderen größeren Städten gewohnt ist. Aber
in Warder sind die Ziele eben auch anders gesteckt. Hier werden die Tiere
nicht nur zur Schau gestellt, um den Besucher zu erfreuen. Die Aufgabe des
Parkes steht ganz klar an erster Stelle : die Erhaltung der bedrohten Nutztierrassen
sowie Information und Aufklärung der interessierten Besucher.
In diesem Sinne ist ein Tagesaufenthalt im Haustier - Schutzpark Warder immer
ein Erlebnis.